Mitfühlend sein ohne dich selbst zu verlieren
Empathisch sein ist gut. Sich völlig in fremden Problemen zu verlieren ist es nicht. Die Grenze ist schwammig und viele merken erst zu spät dass sie auf der falschen Seite stehen. Du kannst verstehen dass dein Kollege gestresst ist weil er private Probleme hat. Das ist Empathie. Wenn du nachts nicht schlafen kannst weil du dir Sorgen um seine Situation machst hast du seine Last übernommen. Das hilft niemandem. Der Unterschied liegt in der Verantwortung. Du kannst unterstützen, zuhören, Verständnis zeigen. Aber du kannst und sollst seine Probleme nicht lösen. Das ist sein Job, eventuell mit professioneller Hilfe. Deine Rolle ist begrenzt. Praktisch bedeutet das: Du hörst zu wenn jemand reden muss aber du bietest keine Dauertherapie an. Nach dreißig Minuten Gespräch ist auch mal gut. Du darfst sagen "Ich merk das belastet dich sehr, vielleicht wäre professionelle Unterstützung eine Idee". Auch wichtig: Du darfst deine eigenen Grenzen kommunizieren. "Ich hab gerade selbst viel am Hals, können wir später reden?" ist völlig okay. Du bist nicht der emotionale Mülleimer für alle. Manche Menschen saugen auch Energie ohne dass du es merkst. Nach jedem Gespräch mit ihnen fühlst du dich erschöpft. Das sind Energievampire – klingt esoterisch, ist aber real. Bei solchen Leuten musst du besonders auf Distanz achten. Mitgefühl ja, Selbstaufgabe nein. Du kannst nur anderen helfen wenn es dir selbst gut geht. Diese Flugzeug-Regel mit der Sauerstoffmaske gilt überall: Erst dich versorgen, dann andere. Das ist nicht egoistisch sondern praktisch.